Lagebericht & Ergänzungen | Grundlagen des Konzerns

5. Forschung, Entwicklung, Innovation

Mit einer starken und effizienten Forschung und Entwicklung (F&E), einem Fokus auf Wachstumsgebiete und -märkte sowie einem nationalen und internationalen Netzwerk mit exzellenten Partnern schaffen wir die Grundlage für Innovationen und damit für den zukünftigen Unternehmenserfolg. Im Jahr 2013 wurden 3.190 Mio € (Vorjahr: 3.013 Mio €) für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Dies entspricht einer F&E-Kostenquote von 7,9 % (Vorjahr: 7,6 %) bezogen auf den Umsatz. Weltweit arbeiten 13.700 Mitarbeiter in den Forschungs- und Entwicklungsbereichen.

eingeschränkt geprüft

Online-Ergänzung: 3-5-1

Für unsere führenden Experten in Forschung und Entwicklung bieten wir über die Initiative „Expert Career“ gezielte Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung. Der „Expert Club“ unter Leitung unseres Forschungsvorstands mit rund 120 Mitgliedern fördert zudem den teilkonzernübergreifenden Austausch der Wissenschaftsexperten.

Weiterhin stellen wir sicher, dass die besonderen Leistungen und Beiträge einzelner oder mehrerer Mitarbeiter sichtbar werden und Anerkennung finden. Dazu vergeben wir u. a. Forschungspreise, wie beispielsweise die Otto-Bayer-Medaillen, die alle zwei Jahre für herausragende Entwicklungen an Wissenschaftler-Teams vergeben werden.

Über das betriebliche Vorschlagswesen des Bayer-Konzerns, den „Bayer-Ideen-Pool“, werden vor allem Vorschläge zur Verbesserung von Prozessen und Verfahren eingereicht. Mit zahlreichen wertvollen Verbesserungsvorschlägen haben sich die Mitarbeiter auch 2013 wieder für das Unternehmen eingesetzt. Insgesamt wurden rund 4.800 Ideen in den „Bayer-Ideen-Pool“ eingebracht. Bei einer Umsetzungsquote von 51 % ergaben sich aus den noch 2013 realisierten Vorschlägen bereits bis Jahresende Einsparungen von über 4 Mio €. Für die verwirklichten Vorschläge haben wir an unsere Mitarbeiter Prämien in Höhe von mehr als 1 Mio € ausgezahlt.

Forschungskooperationen mit externen Partnern aus Wissenschaft und Industrie sind ein fester Bestandteil unserer Innovationsstrategie. Diese Kooperationen und Allianzen mit führenden Hochschulen, öffentlichen Forschungseinrichtungen und Partnerfirmen werden durch Inkubatoren, Crowdsourcing und Innovationszentren („Science Hubs“) in Asien und den USA ergänzt, um den Zugang zu externem Innovationspotenzial im Sinne von Open Innovation zu erschließen. Einige unserer Kooperationen werden durch öffentliche Fördermittel unterstützt.

eingeschränkt geprüft

Online-Ergänzung: 3-5-2

Allein in Deutschland beteiligte sich Bayer 2013 an mehr als 100 öffentlich geförderten Projekten und erhielt dafür im vergangenen Jahr etwa 8 Mio € an Zuschüssen. Dies entspricht etwa 0,3 % unserer jährlichen F&E-Aufwendungen.

Der weltweit zuverlässige Schutz seines geistigen Eigentums ist für ein Innovationsunternehmen wie Bayer unabdingbar. Ende 2013 besaßen wir weltweit rund 8.700 geschützte Erfindungen mit den ­dazugehörigen, global etwa 67.400 in Kraft befindlichen Patentanmeldungen und Patenten.

eingeschränkt geprüft

Online-Ergänzung: 3-5-3

Im Allgemeinen beträgt die Laufzeit eines Patents 20 Jahre. Da beispielsweise die Entwicklung eines neuen Medikaments im Durchschnitt zwölf Jahre dauert, bleiben in der Regel nach der Zulassung nur acht Jahre Patentschutz. Ohne Patentschutz wäre es in den meisten Fällen nicht möglich, die erheblichen Kosten zu decken, die bei der Forschung und Entwicklung innovativer Arzneimittel bzw. Indikationen und Anwendungsformen entstehen. Wir setzen uns deshalb weltweit sowohl für den Schutz des internationalen Patentsystems als auch den Schutz unseres geistigen Eigentums ein. Mehr dazu lesen Sie in unseren politischen Grundsätzen unter: www.geschaeftsbericht2013.bayer.de/political-position-ip

Um die Entwicklung der gewerblichen Schutzrechte und des Urheberrechts in China zu unterstützen, fördert Bayer den Lehrstuhl für gewerblichen Rechtsschutz („IPR Chair“) an der Tongji-Universität in Shanghai. Neben der Ausbildung von über 100 Studenten in der Rechtswissenschaft organisiert der Lehrstuhl zusammen mit Bayer und mit Unterstützung des chinesischen Patentamts ein jährliches IPR-Forum zu Fragen des Schutzes geistigen Eigentums.

Stärkung der Life-Sciences-Forschung

Bayer ist als einziges globales Unternehmen gleichzeitig in der Forschung zur Verbesserung der Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze aktiv. Durch die systematische und intensive Zusammenarbeit von Forschern über die Grenzen der Life-Science-Teilkonzerne hinweg werden damit neue Impulse gesetzt. Dabei forschen Wissenschaftler von HealthCare und CropScience gemeinsam in Projekten, die an zen­tralen biologischen Prozessen ansetzen, wie beispielsweise der Genregulation oder dem Energiestoffwechsel. Weiterhin wird die gemeinsame Nutzung von Technologieplattformen ausgebaut. Diese Projekte werden seit 2012 durch den Bayer-internen „Life Sciences Fund“ unterstützt und meist in Kooperation mit externen Partnern durchgeführt. 

HealthCare

In die Forschung und Entwicklung (F & E) der beiden Segmente Pharma und Consumer Health haben wir im Jahr 2013 2.040 Mio € (Vorjahr: 1.955 Mio €) investiert. Dies entspricht 63,9 % der konzernweiten F&E-Aufwendungen. Für HealthCare lag die F & E-Kostenquote bei 10,8 % vom Umsatz (Vorjahr: 10,5 %). In Forschung und Entwicklung von HealthCare waren zum Abschlussstichtag rund 7.800 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Segment Pharma betrugen unsere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung 1.654 Mio € (Vorjahr: 1.561 Mio €), dies entspricht einer F & E-Kostenquote von 14,8 % (Vorjahr: 14,5 %). Bei der Wirkstofffindung im Segment Pharma konzentrieren wir uns auf die Therapiegebiete Kardiologie, Onkologie, gynäkologische Erkrankungen sowie Hämatologie. Hinzu kommen Aktivitäten zu indikationsübergreifenden Krankheitsmechanismen u. a. für die Ophthalmologie und den Bereich Entzündung. Wir betreiben Forschungsaktivitäten an vier Zentren, zwei in Deutschland und zwei in den USA. In Berlin und Wuppertal (Deutschland) konzentrieren wir uns im Wesentlichen darauf, neue Wirkstoffe zu finden, zu optimieren und zu entwickeln. Außerdem werden hier Untersuchungen zum Arzneimittelstoffwechsel, zur Pharmakokinetik, Toxikologie und klinischen Pharmakologie unternommen. Unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten an den Standorten Mission Bay/San Francisco und Berkeley (USA) konzentrieren sich auf Biologika und Hämatologie. Zudem befinden sich Innovationszentren in Peking (China) und Singapur, durch die wir unsere Forschungspartnerschaften in Asien koordinieren.

Zur Entwicklung neuer Wirkstoffe für Erkrankungen mit hohem medizinischem Bedarf haben wir im Verlauf des Jahres 2013 mit mehreren Arzneimittelkandidaten aus unserer Forschungs- und Entwicklungspipeline klinische Studien durchgeführt. Wir haben für einige dieser Arzneimittelkandidaten, nach Abschluss der erforderlichen Studien, Anträge auf Zulassung bzw. auf Erweiterung der bestehenden Zulassung bei einer oder mehreren Behörden gestellt.

In jüngster Zeit haben wir fünf innovative Medikamente auf den Markt gebracht: Besonders hervorzuheben ist dabei unser Gerinnungshemmer Xarelto™ (Wirkstoff: Rivaroxaban). Aus dem Bereich Onkologie ist Stivarga™ (Wirkstoff: Regorafenib) zur Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs und gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) zugelassen oder befindet sich im Zulassungsverfahren. Das Krebsmedikament Xofigo™ (Wirkstoff: Radium-223-Dichlorid) wurde im Jahr 2013 zur Therapie von Knochenmeta­stasen bei Prostatakrebs-Patienten zugelassen. Zu den vielversprechenden, neu ausgebotenen Produkten gehört auch Eylea™ (Wirkstoff: Aflibercept) zur Behandlung von verschiedenen Augenerkrankungen. Riociguat, ein neuartiger Wirkstoff zur Behandlung verschiedener Formen des Lungenhochdrucks, wurde im Jahr 2013 in den USA und Japan unter dem Handelsnamen Adempas™ zugelassen. Zudem stärken wir unsere Produkte durch Lebenszyklus-Management-Aktivitäten, um deren Anwendung weiter zu verbessern und/oder das Indikationsspektrum zu erweitern.

Die wichtigsten noch im Zulassungsprozess befindlichen Arzneimittelkandidaten sind:

Einreichungen*[Tabelle 3.5.1]
Indikation
Aflibercept EU, Behandlung des diabetischen Makula-Ödems
Aflibercept Japan, Behandlung der myopiebedingten choroidalen Neovaskularisation
FC-Patch Low EU, Pflaster zur Empfängnisverhütung
Octocog Alfa**
(Recombinant Factor VIII)
USA, Prophylaxe bei Hämophilie A bei Erwachsenen
 
Regorafenib EU, Behandlung metastasierter und/oder inoperabler Stromatumore im Gastrointestinalbereich
Riociguat EU, Behandlung der Pulmonalen Hypertonie (CTEPH)
Riociguat EU, Behandlung der Pulmonalen Hypertonie (PAH)
Rivaroxaban*** USA, Sekundärprophylaxe des akuten Koronarsyndroms
Sorafenib EU, Japan, Behandlung von Schilddrüsenkrebs
* Stand: 11.02.2014
** Octocog Alfa = Wirkstoff von Kogenate™
*** Eingereicht von Janssen Research & Development, LLC

In der nachfolgenden Tabelle sind unsere wichtigsten Arzneimittelkandidaten der klinischen Prüfungsphasen II und III dargestellt:

Forschungs- und Entwicklungsprojekte (Phase II und III)* [Tabelle 3.5.2]
Indikation Status
Amikacin Inhale Behandlung von Lungeninfektionen Phase III
BAY 94-9027 (rFVIII mutein) Behandlung von Hämophilie A Phase III
Ciprofloxacin DPI Behandlung von Lungeninfektionen Phase III
LCS-16 (ULD LNG Contraceptive System) Intrauterine Empfängnisverhütung, Wirkdauer bis zu 5 Jahre
Phase III
Prasterone** Behandlung von vulvovaginaler Atrophie Phase III
Regorafenib Behandlung von refraktärem Leberkrebs Phase III
Regorafenib Behandlung von Dickdarmkrebs nach operativer Entfernung von Lebermetastasen
Phase III
Rivaroxaban Prävention schwerer kardialer Ereignisse (MACE) Phase III
Rivaroxaban Anti-Koagulation in Patienten mit chronischem Herzversagen***
Phase III
Sodium Deoxycholate**** Auflösung von submentalem Fett Phase III
Sorafenib Behandlung von Brustkrebs Phase III
Sorafenib Behandlung von Leberkrebs, adjuvante Therapie Phase III
Sorafenib Behandlung von Nierenkrebs, adjuvante Therapie Phase III
Tedizolid Behandlung komplizierter Haut- und Lungeninfektionen Phase III
Copanlisib (PI3k Inhibitor) Behandlung von rezidivierendem/resistentem Non Hodgkin’s Lymphom
Phase II
BAY 85-8501 (Neutrophile-Elastase-Hemmer) Lungenerkrankungen
Phase II
BAY 1021189 (sGC-Stimulator) Chronische Herzinsuffizienz
Phase II
BAY 1067197 (Partial Adenosine A1 Agonist) Herzinsuffizienz
Phase II
Finerenone (MR-Antagonist) Chronische Herzinsuffizienz Phase II
Finerenone (MR-Antagonist) Diabetische Nephropathie Phase II
Molidustat (HIF-PH Inhibitor) Anämie Phase II
Radium-223-Dichlorid Behandlung von Knochenmetastasen bei Krebs Phase II
Refametinib (MEK-Inhibitor) Krebstherapie Phase II
Regorafenib Krebstherapie Phase II
Riociguat Pulmonale Hypertonie (IIP) Phase II
Riociguat Raynaud-Phänomen Phase II
Riociguat Diffuse systemische Sklerose Phase II
Sorafenib Krebstherapie Phase II
* Stand: 11.02.2014
** Prasterone = Vaginorm
*** durchgeführt von Janssen Research & Development, LLC
**** Sodium Deoxycholate = ATX-101
Das Wesen der Arzneimittelforschung und -entwicklung bedingt, dass nicht alle Wirkstoffe das jeweils festgelegte Projektziel erreichen werden. Es besteht die Möglichkeit, dass einige oder alle der hier aufgeführten Projekte aufgrund wissenschaftlicher und/oder wirtschaftlicher Erwägungen abgebrochen werden und somit nicht zu einem marktfähigen Produkt führen. Zudem ist es möglich, dass die für diese Wirkstoffe erforderliche Zulassung als Arzneimittel durch die Food and Drug Administration (FDA), die European Medicines Agency (EMA) oder eine andere Zulassungsbehörde nicht erteilt wird.

Wir überprüfen unsere Forschungs- und Entwicklungspipeline regelmäßig, um die aussichtsreichsten Pharma-Projekte mit Priorität voranzutreiben.

Xarelto™ (Wirkstoff: Rivaroxaban) ist unter den neuen oralen Gerinnungshemmern das Medikament mit den meisten zugelassenen Indikationen. In den USA und Europa ist Xarelto™ in folgenden Anwendungsbereichen zugelassen:

  • Zur Prävention von venösen Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach geplanten Hüft- oder Kniegelenkersatzoperationen
  • Zur Prävention von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei erwachsenen Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern und einem oder mehreren Risikofaktoren
  • Zur Behandlung von tiefen Venenthrombosen (DVT) und Lungenembolien (PE) bei Erwachsenen
  • Zur Prävention wiederkehrender DVT und PE bei Erwachsenen

Im Mai 2013 wurde Xarelto™ darüber hinaus von der Europäischen Kommission zur Prävention athero-thrombotischer Ereignisse nach akutem Koronarsyndrom (ACS) bei Patienten mit erhöhten kardialen Biomarkern in Kombination mit der Standardtherapie zur Plättchenaggregation zugelassen. Im Rahmen des US-Zulassungsverfahrens für die Indikation ACS sprach sich das Beratergremium Cardiovascular and Renal Drugs Advisory Committee der US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) im Januar 2014 gegen die Zulassung aus. Die FDA wird die Empfehlung des Beratergremiums bei der Bewertung des Zulassungsantrags berücksichtigen, sie ist jedoch an die Empfehlung nicht gebunden. In den USA wird Xarelto™ durch Janssen Pharmaceuticals, Inc., eine Tochtergesellschaft von Johnson & Johnson, vermarktet.

Über die bereits zugelassenen Indikationen hinaus wird die Anwendung von Rivaroxaban auch bei anderen kardiovaskulären Erkrankungen untersucht. Laufende klinische Phase-III-Studien sind beispielsweise COMPASS und COMMANDER-HF. In der COMPASS-Studie soll untersucht werden, welches Potenzial Rivaroxaban in der Prävention schwerwiegender kardialer Ereignisse besitzt. Ziel der Studie COMMANDER-HF ist die Beurteilung des potenziellen Zusatznutzens von Rivaroxaban in Kombination mit der Standardtherapie in Bezug auf die Senkung des Sterbe-, Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und signifikanter koronarer Herzkrankheit.

Über alle Indikationen hinweg ist Xarelto™ in mehr als 125 Ländern weltweit zugelassen – wobei der Zulassungsstatus von Land zu Land variieren kann.

Rivaroxaban wurde von HealthCare erfunden und wird gemeinsam mit Janssen Research & Development, LLC, entwickelt.

Riociguat (sGC Stimulator) ist das erste Präparat einer neuen Klasse von gefäßerweiternden Substanzen – den Stimulatoren der löslichen Guanylatcyclase (sGC). Der als Tablette einzunehmende Wirkstoff wird derzeit als neuer Therapieansatz bei verschiedenen Formen des Lungenhochdrucks untersucht. Auf Basis der Phase-III-Studien CHEST-1 und PATENT-1 beantragten wir im Februar 2013 in den USA und der Europäischen Union die Zulassung für Riociguat zur Behandlung von inoperabler chronisch-thromboembolischer pulmonaler Hypertonie (CTEPH) und pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH). Die erste Zulassung in der Indikation CTEPH erhielten wir im September 2013 in Kanada. Im Oktober 2013 wurde Riociguat unter dem Markennamen Adempas™ in den USA von der FDA in einem beschleunigten Verfahren in den Indikationen CTEPH und PAH zugelassen. Im Januar 2014 erhielten wir die Zulassung in der Indikation CTEPH in Japan. Im europäischen Zulassungsverfahren empfahl das European Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) im Januar 2014 die Zulassung von Riociguat in den Indikationen CTEPH und PAH. Die endgültige Zulassungsentscheidung der Europäischen Kommission wird im Laufe des ersten Halbjahres 2014 erwartet.

Stivarga™ (Wirkstoff: Regorafenib) ist ein neuartiger, oral wirksamer Multi-Kinase-Inhibitor. Er hemmt verschiedene Signalwege, die für das Tumorwachstum verantwortlich sind. Seit 2012 ist Stivarga™ in den USA zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Darmkrebs (mCRC) zugelassen. Im März 2013 erhielten wir von der japanischen Gesundheitsbehörde Ministry of Health, Labour and Welfare (MHLW) die Zulassung in dieser Indikation. Im August 2013 erfolgte die Zulassung in der Europäischen Union.

Im Februar 2013 erteilte die FDA die Zulassung für Stivarga™ zur Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenen, inoperablen oder metastasierten gastrointestinalen Stromatumoren (GIST), die zuvor mit den Wirkstoffen Imatinib und Sunitinib behandelt wurden. Im August 2013 wurde Stivarga™ vom japanischen MHLW in der Indikation GIST zugelassen. Im September 2013 erfolgte die Einreichung in dieser Indikation in der Europäischen Union.

Regorafenib ist ein Bayer-Wirkstoff und wird in den USA gemeinsam von Bayer und Onyx Pharmaceuticals, Inc., einer Tochtergesellschaft von Amgen Inc., USA, vermarktet. Mit Onyx haben wir 2011 eine Vereinbarung getroffen, nach der Onyx Lizenzgebühren auf zukünftige weltweite Umsätze mit Stivarga™ im Bereich der Krebsbehandlung erhält.

Xofigo™ (Wirkstoff: Radium-223-Dichlorid), das Krebsmedikament aus unserer gemeinsamen Entwicklung mit Algeta ASA, Norwegen, wurde im Mai 2013 von der FDA für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs (CRPC) mit symptomatischen Knochenmetastasen ohne bekannte viszerale Metastasen zugelassen. Im November 2013 erfolgte die Zulassung in dieser Indikation in der Europäischen Union. In den USA vermarkten wir Xofigo™ gemeinsam mit Algeta US, LLC.

Unser Krebsmedikament Nexavar™ (Wirkstoff: Sorafenib) entwickeln und vermarkten wir zusammen mit Onyx Pharmaceuticals, Inc., USA, weiter. Der erfolgreiche Wirkstoff Sorafenib, der sowohl an den Krebszellen als auch am Gefäßsystem des Tumors ansetzt, ist seit 2005 in der Indikation fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom und seit 2007 in der Indikation Leberzellkarzinom zugelassen. Mit einem breit angelegten Lebenszyklus-Management-Programm wollen wir das Medikament über diese beiden Therapiebereiche hinaus weiterentwickeln. Auf Basis der klinischen Phase-III-Studie DECISION beantragten wir im Juni 2013 die Zulassung von Sorafenib zur Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, differenziertem Schilddrüsenkrebs, die auf eine Behandlung mit Radiojod nicht mehr ansprachen, bei der europäischen Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) und der FDA. Im November 2013 erteilte die FDA im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens die Zulassung. Im September 2013 erfolgte die Einreichung von Sorafenib zur Behandlung von Schilddrüsenkrebs beim japanischen MHLW. Darüber hinaus wird Sorafenib in Phase-III-Zulassungsstudien als adjuvante Therapie nach kurativer Tumorresektion bei Patienten mit Nierenzellkarzinom und Leberzellkarzinom geprüft. Außerdem führen wir Phase-III-Zulassungsstudien in der Indikation Behandlung von Brustkrebs durch.

Eylea™ (Wirkstoff: Aflibercept) ist unser gemeinsames Entwicklungsprojekt mit Regeneron Pharmaceuticals, Inc., USA. Aflibercept blockiert den natürlichen Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor), wodurch die abnorme Bildung neuer Blutgefäße, die zu Blutungen neigen, verhindert wird. Das Präparat wird lokal ins Auge appliziert. In den USA, wo Eylea™ zur Behandlung der feuchten altersbedingten Makula-Degeneration (AMD) sowie zur Behandlung des Makula-Ödems nach Zentralvenenverschluss der Netzhaut (ZVV) zugelassen ist, hält Regeneron Pharmaceuticals Inc., USA, die alleinigen Rechte. Außerhalb der USA wird das Präparat von Bayer vermarktet. Seit 2012 ist Eylea™ in Europa, Japan, Australien und weiteren Ländern zur Behandlung der feuchten AMD zugelassen. Im August 2013 erteilte die Europäische Kommission die Zulassung für Eylea™ zur Behandlung eines Sehschärfenverlustes aufgrund eines Makula-Ödems nach Zentralvenenverschluss der Netzhaut (ZVV). Im November 2013 wurde Eylea™ vom japanischen MHLW in der Indikation ZVV zugelassen.

In zwei weiteren Indikationen erfolgten im November 2013 erste Einreichungen: Bei der EMA beantragten wir die Zulassung für Aflibercept zur Behandlung von Patienten mit diabetischem Makula-Ödem (DME), beim japanischen MHLW zur Behandlung der durch starke Kurzsichtigkeit bedingten choroidalen Neovaskularisation (mCNV).

Im Bereich Hämatologie zeigte eine klinische Phase-II/III-Studie mit dem Entwicklungspräparat BAY 86-6150 nicht die gewünschten Ergebnisse und wurde im Mai 2013 vorzeitig beendet. Untersucht wurden die Wirksamkeit und Sicherheit des Präparates bei Patienten mit Hämophilie A und Hämophilie B, bei denen sich Hemmkörper gegen die Gerinnungsfaktoren entwickelt haben.

Die Zulassung des oralen Kontrazeptivums YAZ™Flex Plus in den USA wird derzeit nicht weiter verfolgt.

Fünf neue Wirkstoffkandidaten, die derzeit in klinischen Studien der Phasen I und II geprüft werden, stehen im Fokus unserer frühen Entwicklung und sollen möglichst zügig in die Phase III der klinischen Prüfung überführt werden. Für Anwendungsbereiche der Kardiologie wird Finerenone entwickelt, ein oraler nicht-steroidaler Mineralcorticoid-Rezeptorantagonist der nächsten Generation. Finerenone befindet sich derzeit in Phase IIb der klinischen Entwicklung zur Behandlung der sich verschlechternden chronischen Herzinsuffizienz sowie der diabetischen Nephropathie. Beim zweiten Kandidaten im Bereich der Kardiologie handelt es sich um einen oral einzunehmenden Stimulator der löslichen Guanylatcyclase (BAY 1021189). Der Start einer Phase-IIb-Studie bei Patienten mit sich verschlechternder chronischer Herzinsuffizienz erfolgte im November 2013. Zur Behandlung des kardio-renalen Syndroms wird derzeit ein Studienprogramm der Phase IIb mit dem neuen Wirkstoff Molidustat für Patienten mit Anämie und begleitender chronischer Nierenerkrankung und/oder terminalem Nierenversagen begonnen. Auf dem Gebiet der Onkologie wurde Copanlisib, ein neuartiger, intravenös zu verabreichender Hemmer der Phosphatidylinositol-3-Kinase (PI3K), für eine beschleunigte Entwicklung ausgewählt. Auch bei der ­Entwicklung neuer Therapieoptionen für Patientinnen mit gynäkologischen Erkrankungen konnten wir Fortschritte erzielen: sPRM (BAY 1002670) ist ein neuartiger, oral einzunehmender Progesteronrezeptormodulator, der voraussichtlich eine Langzeitbehandlung von Patientinnen mit symptomatischen ­Uterusmyomen ermöglicht.

Ein Teil der Pipeline-Kandidaten wird zur Behandlung von schweren und zugleich sehr seltenen Krankheiten entwickelt, den sogenannten Orphan Diseases. Beispielsweise wurde Regorafenib für die Behandlung von Patienten mit gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) von den Behörden als Orphan Drug eingestuft.

Bayer betrachtet die Forschung an sogenannten Krebsstammzellen als vielversprechend und ist auf diesem Gebiet gemeinsam mit dem US-Unternehmen OncoMed Pharmaceuticals Inc. aktiv. Krebsstammzellen kommen im Tumor vor und haben typische Stammzelleigenschaften wie Selbsterneuerung und Differenzierungspotenzial. Krebsstammzellen sind Zellen, die für die Entstehung, Metastasierung und das Wiederauftreten von Krebs verantwortlich gemacht werden. Auf dem Gebiet der klassischen Stammzellforschung, die adulte oder embryonale Stammzellen untersucht, ist Bayer jedoch nicht aktiv.

Im Segment Consumer Health investierten wir 386 Mio € (Vorjahr: 394 Mio €) in die Forschung und Entwicklung. Dies entspricht einer F & E-Kostenquote von 5,0 % (Vorjahr: 5,0 %).

Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Division Consumer Care konzentrieren sich in den Zentren für Produktentwicklung in Morristown (USA) und Gaillard (Frankreich) darauf, rezeptfreie Medikamente, Dermatologieprodukte sowie Nahrungsergänzungsmittel bis zur Marktreife zu entwickeln. Unsere auf den Endverbraucher ausgerichteten Entwicklungsstrategien zielen darauf ab, unser Markenportfolio durch neue Produkte, Verpackungen und Darreichungsformen zu erweitern und zu verbessern. Darüber hinaus arbeiten wir an der Neueinstufung von bislang verschreibungspflichtigen Medikamenten als rezeptfreie Produkte. Im Jahr 2013 konnte eine Reihe neuer Produktlinienerweiterungen in verschiedenen Märkten eingeführt werden. Dabei handelt es sich um neue Darreichungsformen und Anwendungsgebiete für bestehende Marken wie Canesten™ oder Bepanthen™/Bepanthol™.

In der Division Medical Care forschen wir insbesondere auf den Gebieten der Blutzuckermessung sowie an der Weiterentwicklung von Kontrastmitteln und medizinischen Geräten, die in der Diagnose und Therapie diverser Erkrankungen eingesetzt werden.

An unseren zwei US-Forschungs- und Entwicklungsstandorten der Geschäftseinheit Diabetes Care – Tarrytown und Mishawaka – konzentrieren wir uns darauf, unsere Produktlinien zu stärken und weitere attraktive Segmente des Diabetesmarkts für uns zu erschließen. Im Geschäftsjahr 2013 haben wir wieder verschiedene innovative Produkte in wichtigen Ländern auf den Markt gebracht, die den individuellen Bedürfnissen von Menschen mit Diabetes gerecht werden. Dazu gehören beispielsweise die Contour™ Next und Contour™ Link Blutzuckermessgeräte in Europa sowie die neue Contour™ Plus Plattform in ausgewählten Märkten in Europa, Afrika und Nahost.

In unserem Kontrastmittel- und Medizingerätegeschäft (Geschäftseinheit Radiology & Interventional) fokussieren wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf die kontinuierliche Verbesserung unserer Kontrastmittel, Kontrastmittel-Injektionsgeräte sowie unserer Systeme zur Entfernung von Thromben aus Blutgefäßen und für andere Gefäßeingriffe. Damit wollen wir unsere Führungsposition weiter ausbauen. Unsere Forschungs- und Entwicklungszentren befinden sich in der Nähe von Pittsburgh und in Minneapolis (USA), in Berlin (Deutschland) sowie in Sydney (Australien). Im Geschäftsjahr 2013 arbeiteten wir weiter daran, unser Angebot an Informatikprodukten auszubauen und zu verbessern. Neben neuer Software entwickelten wir IT-Lösungen zur Optimierung des Kontrastmittel- und Strahlendosismanagements.

In unserer Division Animal Health fokussieren wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten insbesondere auf die Bereiche Anti-Parasitika, Antibiotika sowie auf Arzneimittel zur Behandlung nicht-infektiöser Krankheiten. Wir besitzen Forschungs- und Entwicklungszentren in Deutschland, den USA, Neuseeland und Brasilien. Unsere zentralen Forschungsaktivitäten werden in Monheim, Deutschland, im Rahmen unserer Life-Sciences-Plattform mit der Pharma-Forschung sowie in enger Kooperation mit der CropScience-Forschung durchgeführt. Zudem stärken wir unser Geschäft durch zahlreiche externe Kooperationen sowie durch Einlizenzierung von Produktentwicklungskandidaten.

Open Innovation

Durch die strategische Zusammenarbeit mit Partnern schaffen wir den Zugang zu komplementären Technologien und zu externem Innovationspotenzial. Dabei arbeitet unser Segment Pharma innerhalb der einzelnen Entwicklungsstadien eines Medikaments mit verschiedenen Partnern zusammen. Nachfolgend sind einige Beispiele aufgeführt:

Kooperationspartner Pharma[Tabelle 3.5.3]
Partner Ziel der Kooperation
Algeta ASA Co-Entwicklung von Radium-223-Dichlorid zur Behandlung von Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs (CRPC) und symptomatischen Knochenmetastasen
Amgen Research GmbH Zugang zu BiTE™-Antikörpern zur Entwicklung neuartiger Tumortherapien
Ardea Biosciences Inc. Co-Entwicklung von onkologischen Produkten auf der Basis von MEK (mitogen-activated erk kinase) Inhibitoren
BioInvent International AB Zugang zu Antikörper-Bibliothek mit Einlizenzierung von Antikörpern
Broad Institute Strategische Partnerschaft im Bereich der Onkologie zur Entdeckung und Entwicklung von Wirkstoffen, die gezielt bei tumorspezifischen Genverände­rungen ansetzen
Compugen Ltd. Kooperation zur Erforschung und Entwicklung neuer Ansätze im Bereich der Immuntherapie für die Onkologie
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) Strategische Partnerschaft für die Entwicklung neuer Therapieoptionen auf den Gebieten Onkologie und Immuntherapie
Dyax Corp. Zugang zu Antikörper-Bibliothek mit Option zur Einlizenzierung von Antikörpern für die Entwicklung und Vermarktung neuartiger Tumortherapien
EndoCeutics Inc. Entwicklung von Prasterone zur Therapie der vaginalen Atrophie und weiblichen sexuellen Dysfunktion
Evotec AG Forschungskooperation zur Identifizierung und Validierung von Entwicklungskandidaten in der Endometriose
ImmunoGen Inc. Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) für neuartige Tumortherapien
Inception 4, Inc. Erforschung neuer Ansätze zur Behandlung von verschiedenen Augenkrankheiten
Janssen Research & Development, LLC of Johnson & Johnson Entwicklung von Xarelto™ (Rivaroxaban)
Ludwig Boltzmann Institute Erforschung von Erkrankungen der Lungengefäße, insb. Lungenhochdruck sowie Suche nach Ansätzen zur Behandlung der Herzmuskelschwäche
Nektar Therapeutics Co-Entwicklung einer zielgerichteten inhalativen Antibiotikatherapie zur Behandlung von Infektionen der Lunge (Amikacin Inhale)
Novartis AG Entwicklung einer zielgerichteten inhalativen Antibiotikatherapie zur Behandlung von Infektionen der Lunge (Ciprofloxacin DPI)
OncoMed Pharmaceuticals Inc. Erforschung und Entwicklung neuartiger Therapeutika gegen Krebsstammzellen
Onyx Pharmaceuticals Inc. of Amgen Inc. Co-Entwicklung von Nexavar™ (Sorafenib) für verschiedene Krebsindikationen
Peking University Forschungskooperation und Gründung eines gemeinsamen Forschungszentrums
Prometheus Laboratories Inc. Entwicklung diagnostischer in-vitro Assays für personalisierte Arzneimittel
Qiagen Manchester Ltd. Entwicklung diagnostischer Tests für die personalisierte Krebsbehandlung
Regeneron Pharmaceuticals Inc. Entwicklung von Eylea™ (Aflibercept) zur Behandlung von verschiedenen Augenkrankheiten Entwicklung eines PDGFR-beta-Antikörpers für die Ophthalmologie
Seattle Genetics Inc. Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) für neuartige Tumortherapien
Trius Therapeutics Inc. of Cubist Pharmaceuticals Co-Entwicklung von Tedizolid zur Behandlung verschiedener Infektionen
Tsinghua University Forschungskooperation und Gründung eines gemeinsamen Forschungszentrums

Bereits im Jahr 2008 gingen wir eine strategische Allianz mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg, ein, das sich auf die Identifizierung und frühe Entwicklung neuer Therapieansätze für Krebserkrankungen konzentriert. Ziel dieser Kooperation ist es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Krebsforschung möglichst rasch in die Entwicklung neuer Medikamente oder Therapien umzusetzen. Bislang wurden 26 Projekte initiiert, die sich mit der Auffindung neuer biologischer Zielmoleküle (sogenannter Targets) für die Wirkstoffsuche befassen oder im Bereich der frühen Wirkstoffsuche angesiedelt sind. Im April 2013 erweiterten wir die Zusammenarbeit auf das Gebiet der Immuntherapie. Erste Projekte starteten im Juni 2013.

Mit Seattle Genetics, Inc., USA, schlossen wir im Juni 2013 einen neuen Lizenzvertrag auf dem Gebiet der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs). Im Rahmen dieses Vertrages erhalten wir die weltweiten Rechte an der Nutzung einer speziellen ADC-Technologie von Seattle Genetics für Antikörper, die sich gegen verschiedene Proteine – sogenannte Zielmoleküle oder Targets – im Bereich der Onkologie richten.

Im August 2013 schlossen wir mit Compugen Ltd., Israel, eine Kooperations- und Lizenzvereinbarung zur Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von antikörperbasierten Wirkstoffen für die Immuntherapie von Krebserkrankungen.

Mit dem Broad Institute in Cambridge, USA, schlossen wir im September 2013 eine strategische Allianz auf dem Gebiet der Onkogenomik und Wirkstoffforschung. Ziel der Kooperation ist es, über einen Zeitraum von fünf Jahren gemeinsam an der Entdeckung und Entwicklung von Wirkstoffen zu arbeiten, die gezielt bei tumorspezifischen Genveränderungen ansetzen.

Im November 2013 vereinbarten wir mit Inception Sciences, Inc., und Versant Ventures, beide USA, eine Kooperation im Bereich der frühen Ophthalmologieforschung. Ziel der neuen Allianz ist es, innovative Behandlungsoptionen für Patienten mit Augenerkrankungen wie der feuchten altersabhängigen Makula-Degeneration und der geografischen Atrophie zu entwickeln. Dabei werden sich die Arbeiten auf ein neuartiges Zielprotein und dessen Signalweg konzentrieren und von dem Unternehmen Inception 4, Inc., USA, übernommen.

Im Januar 2014 unterzeichneten wir mit Regeneron Pharmaceuticals, Inc., USA, eine Vereinbarung über die gemeinsame Entwicklung eines innovativen Antikörpers gegen PDGFR-β (Platelet Derived Growth Factor Receptor-beta) als potenzielle Kombinationstherapie mit Eylea™ (Aflibercept) zur Behandlung der feuchten AMD. Erste klinische Studien in der Indikation sind für Anfang 2014 geplant.

Mit der Peking University, China, vereinbarten wir im Januar 2014 ein Abkommen über eine 3-jährige strategische Partnerschaft im Bereich der translationalen Forschung und deren Anwendung zur Ent­deckung neuer Arzneimittel. Im Rahmen der Kooperation wird ein gemeinsames Forschungszentrum an der Peking University gegründet.

Seit dem Jahr 2009 betreiben wir die Internet-Plattform „Grants4Targets“. Hier haben Forscher an Universitäten oder anderen Forschungseinrichtungen sowie junge Firmen die Möglichkeit, biologische Zielmoleküle (Targets) für eine Zusammenarbeit mit Bayer vorzuschlagen. Diese Plattform haben wir im Jahr 2013 um zwei weitere Initiativen – „Grants4Leads“ und „Grants4Apps“ – erweitert: „Grants4Leads“ bietet Chemikern und Pharmazeuten die Möglichkeit, biologisch aktive Moleküle als Leitstrukturen (Leads) für eine Zusammenarbeit mit Bayer einzureichen. Wir ergänzen mit diesem Programm die biologisch orientierte „Grants4Targets-Initiative“ durch eine chemische Komponente. „Grants4Apps“ ist ein Portal für Vorschläge zu IT-Lösungen, die vielfältige Anwendungen im HealthCare-Bereich ermöglichen sollen. Im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Plattformen, die in der frühen Forschung von Bedeutung sind, sucht „Grants4Apps“ Applikationen, die von der Forschung bis zur Vermarktung eingesetzt werden können. Das 2013 sehr erfolgreich ausgerollte Programm hat bereits 22 Grants vergeben.

Im Jahr 2012 eröffneten wir unter dem Namen „CoLaborator™“ in San Francisco/Mission Bay, USA, ein neues Zentrum mit Laborräumen für junge Firmen aus dem Bereich der Biowissenschaften. Bei diesem Inkubator-Konzept profitieren die Wissenschaftler neben der Laborinfrastruktur auch von der Expertise der Bayer-Forscher, die z. B. eine professionelle, zielgerichtete Planung von Entwicklungsprogrammen ermöglichen kann. Wir streben dabei gleichzeitig an, für die jungen Unternehmen als erster Ansprechpartner bei deren Suche nach möglichen Kooperationspartnern zu dienen. Ein zweiter CoLaborator™ entsteht derzeit am Standort Berlin.

CropScience

Im Jahr 2013 investierte CropScience in Forschung und Entwicklung 857 Mio € (Vorjahr: 779 Mio €). Damit entfielen auf CropScience 26,9 % der konzernweiten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen. Für CropScience selbst lag die Forschungskostenquote bei 9,7 % (Vorjahr: 9,3 %).

CropScience verfügt über ein weltweites Netz von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, in denen rund 4.700 Mitarbeiter tätig sind. Unsere größten Standorte zur Erforschung und Entwicklung von chemischen und biologischen Pflanzenschutzmitteln sind Monheim und Frankfurt a. M. (Deutschland) sowie Lyon (Frankreich) und Davis (USA). In Gent (Belgien), Haelen (Niederlande) sowie Morrisville/Raleigh (USA) befinden sich unsere bedeutendsten Forschungszentren im Bereich Seeds, die sich auf die Verbesserung von Saatgut mittels Saatguttechnologie und -züchtung konzentrieren. Während die Forschungstätigkeiten an einigen zentralen Standorten gebündelt sind, finden die Entwicklungsaktivitäten sowie die Saatgutzüchtung sowohl in zentralen Einrichtungen als auch in zahlreichen Feldversuchsstationen weltweit statt. Dies gewährleistet die Prüfung der zukünftigen Wirkstoffe und Sorten gemäß den spezifischen regionalen Erfordernissen.

Bei Crop Protection/Seeds arbeiten unsere Wissenschaftler aus den Bereichen Saatguttechnologie, Agrarchemie und Biologika im Rahmen eines integrierten Forschungsansatzes eng zusammen. Die Fachkompetenzen aus der chemischen und biologischen Forschung sowie der Feldentwicklung werden so optimal gebündelt und auf unsere langfristigen Forschungsziele und Geschäftsstrategien in den einzelnen Anbaukulturen ausgerichtet.

Im Bereich Crop Protection erforschen und entwickeln wir innovative, sichere und nachhaltige Produkte für den Einsatz als Insektizide, Fungizide, Herbizide und Saatgutbehandlungsmittel in der Landwirtschaft. Hierbei stehen uns moderne Technologien aus den Bereichen der Chemie, Biologie und Biochemie, wie etwa Hochdurchsatz-Screening und Bioinformatik, für die Identifizierung neuer chemischer Leitstrukturen zur Verfügung. Kooperationen mit externen Partnern ergänzen unsere eigenen Aktivitäten.

Im Januar 2013 akquirierte CropScience das Agro-Unternehmen Prophyta Biologischer Pflanzenschutz GmbH, Deutschland. Die Transaktion ermöglicht CropScience den weiteren Ausbau der Forschungs- und Produktpipeline im Bereich des biologischen Pflanzenschutzes. Die Akquisition soll zudem den Ausbau einer führenden Technologie-Plattform für biologische Produkte fördern und das Obst- und Gemüsegeschäft stärken.

Wir erweitern den Einsatzbereich unserer Wirkstoffe durch neue Mischungen oder die Entwicklung innovativer Formulierungen für bereits vermarktete Produkte, um deren Anwendbarkeit auf andere Kulturpflanzen zu ermöglichen oder die Handhabbarkeit der Produkte zu verbessern.

Mitte 2014 werden wir die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich Gemüsesaatgut und biologische Pflanzenschutzmittel in den USA an einem neuen, integrierten Standort in West Sacramento, USA, bündeln. Unser Ziel ist es, das Potenzial unserer globalen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten durch Zusammenlegungen und Erweiterungen noch besser auszuschöpfen.

Auch in den kommenden Jahren wollen wir mit der Vermarktung mehrerer neuer Produkte aus dem chemischen und biologischen Pflanzenschutz beginnen. So wollen wir 2014 ein Insektizid zur Bekämpfung von Fadenwürmern unter den Marken Verango™ bzw. Velum™ auf den Markt bringen. 2015 erwarten wir die Markteinführung eines weiteren Insektizids mit der Marke Sivanto™, einer neuen Insektizidklasse zur Kontrolle von saugenden Insekten, sowie den Verkaufsstart des Herbizids Council™ und eines biologischen Fungizids.

Im Bereich Seeds forschen wir an der Optimierung von Pflanzeneigenschaften und entwickeln neue Sorten in unseren bisherigen Kernkulturen Baumwolle, Raps/Ölsaaten und Reis sowie im Gemüsesaatgut. Mittlerweile haben wir unsere Forschungsaktivitäten auch auf Weizen und Sojabohnen als neue Kernkulturen ausgedehnt. Im Fokus unserer Arbeit steht die Verbesserung der agronomischen Eigenschaften dieser Kulturen. Unsere Forscher arbeiten an der Steigerung der Ertragskraft von Nutzpflanzen und der Erhöhung der Pflanzenqualität, z. B. durch veränderte Rapsölprofile oder optimierte Baumwoll-Faserqualitäten. Darüber hinaus entwickeln wir Pflanzen, die eine hohe Toleranz gegenüber externen Stressfaktoren wie Trockenheit aufweisen und Wasser besser nutzen können. Weitere Schwerpunkte bestehen darin, neue Herbizidtoleranzen auf der Basis alternativer Wirkmechanismen zu entwickeln sowie Insektenresistenz und Krankheitstoleranz zu verbessern. Dabei werden moderne Züchtungsverfahren von der markerunterstützten Zucht bis hin zu Methoden der Pflanzenbiotechnologie genutzt.

Im März 2013 schloss CropScience die Akquisition von Wehrtec Tecnologia Agricola Ltda., einem Hersteller von Sojasaatgut, und dem Soja-Geschäft von Agricola Wehrmann Ltda. ab, beide mit Sitz in Brasilien. Diese Übernahme stärkt die Forschung und Entwicklung von CropScience im Bereich Soja und trägt zur Entwicklung von Sorten bei, die auf die Anforderungen und Bedürfnisse der Sojaanbauer in Brasilien abgestimmt sind.

Ebenfalls im März 2013 beantragten CropScience und Syngenta in mehreren Ländern die Zulassung einer neuen Herbizidtoleranz-Eigenschaft für Soja. Der Antrag wird zurzeit von den Zulassungsbehörden in den USA und Kanada sowie wichtigen Soja-Importregionen, unter anderem in der Europäischen Union, geprüft. Die Pflanzeneigenschaft verleiht der Sojapflanze eine Toleranz gegenüber den drei Wirkstoffen Mesotrion, Glufosinat-Ammonium (Liberty™) und Isoxaflutol und ist ein wichtiges neues Mittel gegen schwer zu bekämpfende Unkräuter. Die Markteinführung ist zwischen 2015 und 2020 geplant.

Im April 2013 schlossen CropScience und Monsanto Company, USA, Lizenzabkommen über Technologien der nächsten Generation im Bereich der Pflanzenbiotechnologie. Monsanto gibt CropScience eine gebührenpflichtige Lizenz für Herbizidtoleranz-Technologien für Sojabohnen in den USA und in Kanada. Außerdem erhält CropScience eine gebührenpflichtige Lizenz für eine Insektenresistenz-Technologie für Sojabohnen in Brasilien mit einer Option auf eine gebührenpflichtige Lizenz in anderen lateinamerikanischen Ländern. CropScience gewährt Monsanto Lizenzen, mit denen das Unternehmen Technologien zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers und zur Herbizidtoleranz prüfen kann.

Im Dezember 2013 übernahm CropScience das Start-up-Unternehmen FN Semillas S.A. mit Sitz in Argentinien. Die erforderlichen behördlichen Genehmigungen stehen noch aus. FN Semillas S.A. ist auf die Züchtung, Herstellung und Vermarktung von verbessertem Soja-Saatgut in Argentinien spezialisiert. Die Akquisition bedeutet den Einstieg von CropScience in den lokalen Markt für Sojabohnensaatgut.

In 2013 haben wir außerdem in Australien Roundup-Ready™ Hybrid Canola Saatgut erfolgreich auf den Markt gebracht. Auch in Indien konnten wir in diesem Jahr mit der Vermarktung eines Ölsaat-Hybrids beginnen. Hier brachten wir unser Senfsaatgut an den Markt.

In den USA ist unser Baumwollsaatgut FiberMax™ bereits seit 2011 auch mit unserer eigenen Glyphosat-Herbizidtoleranz-Technologie GlyTol™ erhältlich. 2014 planen wir, eine neue Kombination von Insektenresistenz sowie Herbizidtoleranz für Baumwolle anzubieten. Diese enthält dann erstmalig sowohl die TwinLink™- als auch die GlyTol™-Technologie, die den Landwirten eine integrierte Schädlings- und Unkrautkontrolle bieten.

Unter den Marken Arize™ und InVigor™ ist in den kommenden Jahren die Vermarktung zahlreicher neuer Hybridreis- respektive Ölsaatensorten mit verbesserter Stress- und Insektenresistenz geplant.

Bei vielen Kulturpflanzen können mit konventionellen Züchtungsmethoden große Erfolge erzielt werden, etwa bei Gemüse. Da dieses zum größten Teil für die Frischvermarktung und den Frischverzehr vorgesehen ist, haben Handel und Verbraucher hier besonders hohe Anforderungen bezüglich Aussehen, Nährstoffgehalt, Geschmack und Haltbarkeit. Neue, diesen Anforderungen entsprechende Gemüsesaatgut­sorten bringen wir kontinuierlich auf den Markt.

Unsere integrierte Produktpipeline für Pflanzenschutz und Saatguttechnologie enthält insgesamt über 25 Einzelprojekte sowie eine Vielzahl neuer Saatgutsorten und weiterentwickelter Produkte, die zwischen 2011 und 2016 auf den Markt gebracht werden sollen. Insgesamt erwarten wir hierfür ein Spitzen­umsatzpotenzial von über 4 Mrd €. Im Bereich Crop Protection soll in diesem Zeitraum mit der Vermarktung von rund 10 Produkten begonnen werden. In unserem Saatgutgeschäft sollen im selben Zeitraum allein für die Flächenkulturen Baumwolle, Ölsaaten, Reis, Weizen und Sojabohnen rund 15 neue Projekte zur Marktreife gebracht werden. Bei Gemüse planen wir, in diesem Zeitraum mehrere Hundert neue Sorten auf den Markt zu bringen.

Bei Environmental Science werden auf chemischer und biologischer Basis Lösungen für Privatkunden und professionelle Anwender entwickelt. Dafür werden Substanzen aus dem Bereich Crop Protection sowie von externen Partnern für Anwendungen außerhalb der Landwirtschaft weiterentwickelt. Zu den aktuellen Entwicklungsprojekten gehören Gele und Köder gegen Schadinsekten, Herbizide, Fungizide und Mittel gegen krankheitsübertragende Insekten.

2013 baute Environmental Science das Portfolio biologischer Lösungen durch eine Erweiterung der Natria™-Reihe für das Bayer-Garden™-Geschäft in den USA und Europa aus und führte in den USA mit Harmonix™ Insect Control das erste biologische Insektizid für die professionelle Schädlingsbekämpfung ein. Weiterhin wurden die auf dem Wirkstoff Indaziflam beruhenden Herbizide durch den Start von Marengo™ in den USA (Zierpflanzen) erweitert. Das Golfplatzgeschäft wurde durch die Markteinführung des Fungizids Interface™ in Großbritannien und Südkorea sowie von Specticle G™ in den USA gestärkt. In zahlreichen Ländern wurde durch die Einführung einer neuen Formulierung des Insektizids Maxforce™ der Bereich der professionellen Schädlingsbekämpfung erweitert.

eingeschränkt geprüft

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Auf dem europäischen Markt bieten wir ein Produkt zur schonenden Unkrautbekämpfung auf Basis von Fettsäuren an, die aus Palmöl gewonnen werden. Da dessen Produktion oft mit sozialen und öko­logischen Problemen verknüpft ist, hat sich Bayer 2012 dem „Round Table for Sustainable Palm Oil“ (RSPO) angeschlossen. Bayer unterstreicht mit diesem Schritt sein Bekenntnis zu verantwortungsvoller Materialbeschaffung und kauft sogenannte GreenPalm-Zertifikate, welche die Produktion von nachhaltigem Palmöl unterstützen.

Open Innovation

CropScience ist Teil eines weltweiten Netzwerks von Forschungs- und Industriepartnern aus den verschiedensten Bereichen der Agrarwirtschaft, chemischer und biologischer Forschung sowie der Lebensmittelindustrie. Diese industrieübergreifenden Partnerschaften ermöglichen uns, die Bedürfnisse unserer Kunden noch besser zu verstehen und diesen langfristig gerecht zu werden. So zum Beispiel im Rahmen der Partnerschaft zwischen CropScience und dem britischen Innovative Vector Control Consortium (IVCC), die wir 2012 um weitere drei Jahre verlängerten. Hier entwickeln wir gemeinsam mit IVCC neue Substanzen gegen Moskitos, die Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber übertragen.

eingeschränkt geprüft

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Malaria beispielsweise ist bis heute eine der gefährlichsten Tropenkrankheiten und Hauptursache für Kindersterblichkeit unter fünf Jahren. Seit über 50 Jahren spielt Bayer eine aktive Rolle im Kampf ­gegen Malaria. Durch Sprühinsektizide für Innenräume und Außenbereiche sowie Larvizide von Crop­Science konnten im Jahr 2013 schätzungsweise bis zu 70 Millionen Menschen gegen Malaria und bis zu 30 Millionen Menschen gegen Dengue geschützt werden. Dengue ist die sich zurzeit am schnellsten ausbreitende, durch Moskitos übertragene Tropenkrankheit.

CropScience ist ein führender Hersteller von Innenraum-Sprühinsektiziden gegen die Malariamücke. In den vergangenen drei Jahren war vor allem das EnvironmentalScience-Produkt Ficam™ bei der ­Bekämpfung von Mücken, die gegen Insektizide der Klasse der Pyrethroide resistent sind, von entscheidender Bedeutung.

Im Jahr 2013 konnte ein wichtiger Meilenstein bei den Arbeiten erreicht werden: Die Weltgesundheitsorganisation erteilte die Empfehlung für ein neues, langfristiger wirksames und damit kosteneffizienteres, deltamethrinhaltiges Sprühinsektizid, das eine mögliche Alternative für den Einsatz des älteren Insektizids DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) in Innenräumen bietet. Die Markteinführung in ausgewählten Ländern südlich der Sahara und anderen Malariagebieten ist für 2014 geplant, sobald die entsprechenden nationalen Zulassungen vorliegen.

Außerdem wurde die Zusammenarbeit mit der australischen Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) in der Weizenforschung weitergeführt. Die bereits seit 2009 bestehende strategische Kooperation zwischen CropScience und CSIRO zielt auf die Ertragssteigerung von Weizen und damit auch langfristige Stärkung der globalen Weizenproduktion ab.

Von der Zucht, dem Anbau und dem Schutz von Agrarpflanzen bis zum gesunden und haltbaren Produkt im Handel ist es allerdings ein weiter Weg. Im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit der gesamten Lebensmittelkette sind daher besonders unsere „Food-Chain-Partnerschaften“ hervorzuheben. Hier unterstützt CropScience alle Akteure der Lebensmittelkette, vom Landwirt über den Lebensmittelverarbeiter, den Im- und Exporteur bis zum Groß- und Einzelhändler. In mehr als 30 Ländern und 40 Kulturen hat Crop­Science Food-Chain-Partnerschaftsprojekte initiiert, vor allem in Asien, Lateinamerika und Europa. Unsere Experten beraten dabei Landwirte im nachhaltigen Anbau von der Auswahl des Saatguts über den kon­trollierten und umweltschonenden Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bis zur transparenten Kontrolle der Erzeugung.

Unsere Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in gemeinsamen Projekten ist heute ein international erfolgreiches Geschäftsmodell für alle an der Lebensmittelkette Beteiligten. Insbesondere Kleinbauern in Entwicklungs- und Schwellenländern profitieren von den verbesserten Erzeugungs- und Vermarktungsstrukturen. 2013 haben wir unsere Partnerschaften in Lateinamerika weiter ausgebaut, u. a. mit einem Projekt in Chile in Zusammenarbeit mit Walmart und Salatanbauern für eine nachverfolgbare Produktion von Salaten. In Peru arbeiten wir derzeit im Rahmen einer Kartoffelchip-Herstellung mit PepsiCo und Kartoffelanbauern an einer nachhaltigen Produktion, die die natürlichen Ressourcen schont, den sich entwickelnden Gemeinden einen Mehrwert liefert und den Anbau durch den optimierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln effizienter gestaltet.

MaterialScience

Im Jahr 2013 investierte unser Unternehmen 208 Mio € (Vorjahr: 241 Mio €) in Forschung und Entwicklung. Damit entfielen auf den Teilkonzern rund 6,5 % der konzernweiten Forschungs- und Entwicklungskosten. Bei MaterialScience selbst lag die entsprechende F & E-Kostenquote bei 1,9 % vom Umsatz nach 2,1 % im Jahr zuvor. Darüber hinaus wurden weitere 97 Mio € (Vorjahr: 115 Mio €) für gemeinsame Entwicklungsprojekte mit Kunden aufgewendet.

Weltweit waren 2013 rund 1.100 Mitarbeiter mit Aufgaben im Bereich Forschung und Entwicklung betraut. Ein Teil von ihnen arbeitet in Innovationszentren in Leverkusen (Deutschland) und Pittsburgh (USA) sowie in einer neuen Einrichtung für die Region Asien/Pazifik, die 2013 in Shanghai (China) eröffnet wurde. Durch die verstärkte lokale Präsenz soll die Forschung und Entwicklung noch enger mit den Kunden in Wachstumsmärkten verknüpft werden.

In der Business Unit Polyurethanes (PUR) arbeiten wir unter anderem an der Weiterentwicklung von Polyurethan-Hartschaum als hocheffizientem Dämmstoff für Gebäude und Kühlgeräte. Dabei wollen wir vor allem die Dämmeigenschaften und den Flammschutz weiter verbessern. Zu den jüngsten Innovationen gehört ein besonders feinporiger Schaumstoff, dessen Wärmeleitfähigkeit bis zu 10 % niedriger ist als die von konventionellem Polyurethan-Hartschaum.


Des Weiteren sind unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten darauf ausgerichtet, die steigende Nachfrage nach höherem Komfort zu decken. Zu unseren innovativen Lösungen in diesem Bereich zählt sogenannter visko-elastischer Polyurethan-Weichschaum, der zunehmend in Möbeln und Matratzen eingesetzt wird.

Auf dem Gebiet der Prozessentwicklung erzielten wir in den vergangenen Jahren signifikante Fortschritte. Gegenwärtig erschließen wir Kohlendioxid als neue Kohlenstoffquelle für Polyurethane, um die Abhängigkeit von petrochemischen Rohstoffen zu verringern. Ein entsprechendes Forschungsprojekt („Dream Production“) wurde 2013 erfolgreich abgeschlossen. Außerdem wurden Planungen zur kommerziellen Nutzung der neuen Technik vorangetrieben.

In der Business Unit Polycarbonates (PCS) zielen unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf die Entwicklung neuer Produkte vor allem für die Automobil- und Elektronikindustrie, die gewichtsreduzierte Anwendungen, verbesserte Energieeffizienz und Sicherheit sowie höhere Designfreiheit ermöglichen.

In der Konsumentenelektronik haben wir unter anderem besonders leichte glasfaserverstärkte Werkstoffe entwickelt und auf den Markt gebracht, die beispielsweise für sogenannte Ultramobile Notebooks verwendet werden können.

In der Automobilindustrie entwickeln wir neben Leichtbaulösungen auch Materialien und Systeme zur hochwertigen und individuellen Gestaltung von Fahrzeuginnenräumen. Die von MaterialScience mitentwickelte „DirectCoating-/DirectSkinning“-Technik ermöglicht hier eine effiziente Fertigung von beschichteten Bauteilen in nur noch einem Produktionsschritt. Mit dem Einsatz von wiederverwerteten Kunststoffen bieten wir zudem nachhaltige Lösungen, die unter anderem in Autokarosserien und Laptopgehäusen verwendet werden.

In der Business Unit Coatings, Adhesives, Specialties (CAS) treiben wir die Entwicklung von Polyurethan-Rohstoffen für hochwertige Lacke, Kleb- und Dichtstoffe voran. Sie werden unter anderem im Bereich erneuerbarer Energien, Mobilität und Infrastrukturanlagen sowie für Textilien und Sportartikel eingesetzt.

Der Schwerpunkt unserer Entwicklungsarbeiten liegt auf umweltverträglichen Produkten, die Ressourcen stärker schonen und in der Anwendung effizienter sind. Dabei konzentrieren wir uns auf lösungsmittelarme und -freie sowie wässrige Systeme. Eine zunehmend größere Rolle spielt auch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe. Neben diesen klassischen Anwendungsgebieten wollen wir durch die Weiterentwicklung unseres Produkt- und Technologieportfolios lukrative neue Marktsegmente erschließen.

Im Bereich der funktionalen Folien (Functional Films) stehen Produkte auf Basis von Polycarbonat und thermoplastischem Polyurethan im Mittelpunkt. Diese lassen sich zum Beispiel mit holografischen Funk­tionen versehen, die in attraktiven Bereichen wie 3-D-Flachbildschirmen verwendet werden können.

Open Innovation

Im Sinne der Open Innovation setzt MaterialScience auf die Zusammenarbeit mit externen wissenschaftlichen Einrichtungen sowie Ausgründungen und Start-up-Unternehmen im akademischen Bereich. Die Schwerpunkte dieser Kooperationen liegen in Europa, den USA, China und Japan. Im Fokus stehen Themen wie nachwachsende Rohstoffe, erneuerbare Energien und neue Kompositmaterialien für den Leichtbau.

Zu unseren Partnern zählen die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Deutschland), mit der wir gemeinsam das CAT Catalytic Center unterhalten, sowie in China die Tongji-Universität und mehrere Institute der Chinese Academy of Science. Auch in den USA unterstützen wir Forschungsaktivitäten unter anderem an renommierten Hochschulen wie Pennsylvania State University, Case Western Reserve University, Carnegie Mellon University, Virginia Polytechnic Institute and State University. Themenschwerpunkte hier sind funktionelle Materialien, nachwachsende Rohstoffe und Grundlagenthemen wie neue Vernetzungsmechanismen für Polymere.

Im wissenschaftlichen Umfeld beteiligen wir uns federführend oder beratend an zahlreichen öffentlich geförderten Projekten, beispielsweise auf dem Gebiet „nachhaltige Chemie“ im deutschen Forschungscluster „SusChemSys“ sowie zur Nutzung von CO2 als Kunststoff-Baustein im Rahmen eines Programms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Deutschland). Hinzu kommt die Mitwirkung in Fachverbänden und -gremien wie der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie in Deutschland sowie der American Chemical Society in den USA.

Daneben erhalten wir wichtige Innovationsimpulse aus Kooperationen mit Kunden bzw. mit anderen Branchen. Dazu zählen das Unternehmensnetzwerk „future_bizz“ oder das „CLIB2021“ Cluster Industrielle Biotechnologie, das sich mit nachwachsenden Rohstoffen befasst. Unser Ziel ist es, mit den besten Partnern aus den für uns bedeutenden Industriezweigen zusammenzuarbeiten, um Kompetenzen zu vereinen und in Innovationen umzusetzen.

Bayer Technology Services

Technology Services ist ein wichtiger Innovationspartner für die Teilkonzerne in den Bereichen technologische Entwicklung, Anlagenbau und Produktion. Bei technologischen Lösungen, insbesondere in den Bereichen Prozesstechnologie, Engineering und sicheres und effizientes Betreiben von Produktionsanlagen arbeiten alle Teilkonzerne weltweit eng mit der Servicegesellschaft zusammen.

eingeschränkt geprüft

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Technology Services entwickelt zusammen mit den Teilkonzernen Technologieplattformen in der Verfahrens- und Biotechnologie sowie der Systembiologie, um die Forschung, Entwicklung und Produktion neuer Produkte und Anwendungen zu unterstützen. Dabei setzt Technology Services gezielt auf Open Innovation. Im Forschungszentrum INVITE, einer Kooperation mit der Technischen Universität Dortmund, werden beispielsweise neue, flexible, modular aufgebaute Produktionskonzepte entwickelt. Im „Joint Research Center on Computational Biomedicine“, einer Kooperation mit der RWTH Aachen, werden computergestützte Modelle und Methoden zur Aufklärung von fundamentalen biologischen Mechanismen erforscht und in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Aachen für die klinische Anwendung entwickelt.

Letzte Änderung: 25. Juli 2014  Copyright © Bayer AG
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