Lagebericht & Ergänzungen | Grundlagen des Konzerns

8. Einkauf und Produktion

Lieferantenmanagement

Das Einkaufsvolumen von Bayer betrug im Berichtsjahr etwa 18,7 Mrd € (Vorjahr: 18,1 Mrd €). Dabei wurden Waren und Dienstleistungen von rund 107.000 (Vorjahr etwa 101.000) Lieferanten aus ca. 138 (Vorjahr 125) Ländern bezogen und im konzernweiten Berichtssystem ausgewiesen. Um den spezifischen Bedarf optimal zu bedienen, kauft jeder Teilkonzern direkte und produktionsbezogene Materialien selbst ein. Indirekte und nicht produktionsrelevante Güter werden von derjenigen Organisation beschafft, die der größte Verbraucher („Major-User“) innerhalb des Konzerns ist. Mit dieser konzernübergreifenden Beschaffungsstrategie und dem Major-User-Prinzip realisieren wir Synergiepotenziale in Form von Standardisierung, Volumenbündelung und Verringerung des Verhandlungsaufwandes.

Das Beschaffungsvolumen in Deutschland, den USA und Japan betrug 2013 knapp 67 % der Ausgaben in den OECD-Staaten (Organisation for Economic Cooperation and Development). Dies entspricht ca. 54 % des weltweiten Beschaffungsvolumens im Konzern. Die drei Länder Brasilien, Indien und China machten etwa 72 % der Ausgaben in Nicht-OECD-Staaten und rund 14 % der Gesamtausgaben aus.

eingeschränkt geprüft

Online-Ergänzung: 3-8-1

Anzahl der Lieferanten und Ausgaben nach Wirtschaftsregionen [Tabelle 3.8.0-1]
Lieferanten Ausgaben
  in % in %
OECD-Staaten 71 81
Nicht-OECD-Staaten 29 19
Einkaufsvolumen in OECD- und Nicht-OECD-Staaten[Tabelle 3.8.0-2]
  in % in % in % in %
 
OECD-Staaten
Deutschland
27,4
USA
21,3
Japan
5,7
Andere
26,3
 
Nicht-OECD-Staaten
China
9,0
Brasilien
2,6
Indien
2,4
Andere
5,3

Nachhaltigkeit im Einkauf

Die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards in der Lieferkette ist für Bayer ein elementarer Faktor in der Wertschöpfungskette. Gemeinsam mit unseren Lieferanten wollen wir durch verantwortungsvolles Handeln Risiken minimieren und stabile und langfristige Beziehungen mit unseren Geschäftspartnern schaffen. Zudem ist es für Bayer ein strategisch wichtiger Hebel, um sowohl die globale Wettbewerbsfähigkeit als auch die Versorgung mit Materialien und Dienstleistungen sicherzustellen. Aus diesem Grund werden bei der Auswahl potenzieller und bestehender Lieferanten neben wirtschaftlichen auch Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance(ESG)-Standards angewendet. Diese sind im Bayer-Verhaltenskodex definiert, der grundsätzlich die Basis für die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten darstellt. Er ist konzernweit in die elektronischen Bestellsysteme und Verträge rechtsverbindlich integriert. Unser Lieferantenkodex basiert auf den Prinzipien des UN Global Compact und unserer Menschenrechtsposition.

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Um an EDV-basierten Ausschreibungen teilzunehmen, müssen Lieferanten vor Abgabe eines Angebots in unserem Lieferantenmanagementsystem die Kenntnisnahme des Verhaltenskodex für Lieferanten verpflichtend bestätigen. Damit wird eine wichtige Grundlage für die nachhaltigkeitsorientierte Zusammenarbeit geschaffen.

Nachhaltigkeitsbewertung und -überprüfung unserer Lieferanten

Durch Überprüfungen der Nachhaltigkeitsleistungen von Lieferanten verfolgen wir die Einhaltung unseres Verhaltenskodex. Diese erfolgen einerseits über Audits bei Lieferanten vor Ort, andererseits auf Basis von Online-Lieferanten-Bewertungen, die ein führender Anbieter einer webbasierten Plattform zur Nachhaltigkeitsbewertung (EcoVadis) durchführt. Die Bewertung erfolgt auf der Grundlage eines vom Lieferanten auszufüllenden, webbasierten, modularen Fragebogens mit begleitenden Belegdokumenten sowie eines 360-Grad-Screenings. Die Auswahl der zu bewertenden Lieferanten erfolgt hierbei durch eine Kombination aus Länder- und Materialrisiko sowie Beschaffungsvolumen.

Um Synergien bei der Überprüfung der Nachhaltigkeitsleistung von Lieferanten zu nutzen, beteiligen wir uns an zwei Industrie-Initiativen, der „Pharmaceutical Supply Chain Initiative“ (PSCI) und der von Bayer mitgegründeten Initiative „Together for Sustainability“ (TfS) der chemischen Industrie. Hierbei ­fokussieren wir uns auf die Standardisierung von Nachhaltigkeitsaspekten in den relevanten Industrien. Außerdem ermöglicht der Austausch der Bewertungen unter den Mitgliedern den Zugang zu zusätzlichen Bewertungen und Audits von Lieferanten, die auch für Bayer tätig sind.

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Online-Ergänzung: 3-8-3

In beiden Initiativen werden Nachhaltigkeitsbewertungen und Audits von Lieferanten über IT-Plattformen ausgetauscht. Dadurch minimiert sich der bürokratische Aufwand sowohl für die Lieferanten als auch für die Mitgliedsunternehmen.

Mitglieder der TfS-Initiative haben innerhalb der einjährigen Pilotphase von Juli 2012 bis Juni 2013 insgesamt mehr als 1.850 Bewertungen initiiert und 150 Audits erfolgreich abgeschlossen. In der PSCI-Initiative wurde 2013 das erste gemeinsame Pilotauditprogramm mit Erfolg beendet und evaluiert. Neben der Durchführung von Audits ist die Unterstützung und das Training von Lieferanten in beiden Initiativen ein Kernthema.

Im Rahmen des Bayer-Auditprogramms führen wir zusammen mit einem externen, unabhängigen Partner Lieferanten-Audits durch. Dabei setzt Bayer auf Synergien und nutzt den Standard der jeweiligen Industrieinitiative, in der wir engagiert sind. Zusätzlich werden durch die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der PSCI- und TfS-Initiative weitere Audits von Bayer-Lieferanten durch Austausch gewonnen. In Ergänzung dazu nehmen Bayer-Auditoren Überprüfungen mit Schwerpunkt auf Gesundheit, Sicherheit, Umweltschutz und auch Nachhaltigkeit vor. Eine Übersicht der Anzahl unserer Lieferanten-Bewertungen und -Audits:

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Online-Ergänzung: 3-8-4

Lieferanten-Bewertungen [Tabelle 3.8.0-3]
Bewertungen von Bayer über die EcoVadis-Plattform 278
Bewertungen* durch TfS**-Mitglieder von Lieferanten, die auch für Bayer tätig sind 107
Nationale Bewertungen der indischen Bayer-Landesgesellschaft 243
* Im Rahmen der TfS-Initiative über die Plattform EcoVadis ausgetauschte Bewertungen
** Together for Sustainability (TfS)
Lieferanten-Audits [Tabelle 3.8.0-4]
Audits von Bayer mit externen Auditoren 41
Audits* von TfS**-Mitgliedern bei Lieferanten, die auch für Bayer tätig sind 7
Audits* von PSCI**-Mitgliedern bei Lieferanten, die auch für Bayer tätig sind 2
HSE***/Nachhaltigkeits-Audits von Bayer-Auditoren 97
* Im Rahmen der Industrieinitiativen TfS und PSCI ausgetauschte Audits
** Together for Sustainability (TfS)/Pharmaceutical Supply Chain Initiative (PSCI)
*** Health, Safety, Environment (Gesundheit, Sicherheit, Umwelt)

Alle Bewertungs- und Auditergebnisse werden ausführlich analysiert und dokumentiert. Bei Mängeln werden gemeinsam mit den Lieferanten Aktionspläne entwickelt, um die künftige Einhaltung der Sozial-, Ethik- und Umweltstandards seitens der Lieferanten sicherzustellen. Wir arbeiten stetig mit unseren Lieferanten an den identifizierten Verbesserungsbedarfen und waren daher in 2013 nicht veranlasst, eine Lieferantenbeziehung aufgrund der Nachhaltigkeitsleistung zu beenden.

Durch unsere Bewertungs- und Überprüfungsmaßnahmen haben wir 34 % des gesamten Ausgabevolumens im Konzern hinsichtlich der Nachhaltigkeitsleistung abgedeckt sowie 51 % des Ausgabevolumens aus Risikobereichen, die durch eine Kombination aus Länder- und Materialrisiko definiert sind.

Schulungen für Einkäufer und Lieferanten zum Thema Nachhaltigkeit

Die Teilnahme an Trainings zu Nachhaltigkeit im Einkauf sowie zu unserem Verhaltenskodex sind Bestandteile der Qualifikation für die Einkäufer im Konzern. Im Berichtsjahr wurde die Schulung zum Nachhaltigkeitsbewertungsprozess über unsere Kollaborationsplattform vollständig überarbeitet.

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Unsere Einkäufer werden umfassend zum EcoVadis-Bewertungsprozess geschult. Im Jahr 2013 haben 243 Einkäufer teilgenommen. Darüber hinaus bieten die Teilkonzerne ihren jeweiligen Einkäufern ergänzende Informationen. HealthCare hat beispielsweise eine Nachhaltigkeits-Roadshow für unterschiedliche lokale Einkaufseinheiten initiiert. Die Einkaufs- und Qualitätsfunktionen in Brasilien, Indien und China erhielten umfangreiche Trainingseinheiten zum Prozess der Lieferanten-Bewertung. Auch MaterialScience informierte sowohl in einem globalen als auch in einem China-spezifischen Einkäufer-Meeting über das Thema „Nachhaltigkeit“.

Auch für unsere Lieferanten bieten wir Schulungen an. Im Jahr 2013 wurden sowohl das Informationsmaterial als auch das Trainingsangebot aktualisiert und erweitert.

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Durch die E-Learnings der TfS-Initiative erhalten Lieferanten allgemeine Informationen zur Initiative sowie zum Auditprozess. Die Weiterentwicklung von Lieferanten ist auch ein besonderes Anliegen von PSCI. Dazu dienen umfassende Informationen auf der Website, Trainingsveranstaltungen und themenbezogene Konferenzen, wie z. B. zum Arbeitsschutz.

Im Rahmen der Lieferantentrainings und -informationen verleiht die indische Landesgesellschaft während eines Lieferantentags jährlich die sogenannten „BayBuy Awards“. Basis für die Auszeichnung der nachhaltigsten Lieferanten in Indien sind die nationalen Nachhaltigkeitsbewertungen.

Bei Lieferantentagen von HealthCare und MaterialScience an verschiedenen Standorten in China stand 2013 Nachhaltigkeit im Fokus.

Bekämpfung der Kinderarbeit in der Lieferkette

Zu einer verantwortungsvollen Unternehmensführung gehört für Bayer die Anerkennung und Wahrung der Menschenrechte sowohl im Unternehmen als auch in unserem Einflussbereich außerhalb des Unternehmens. Dazu zählt auch die Lieferkette. Unsere Position zum Thema Menschenrechte ist unmissverständlich und beinhaltet u. a. ein striktes Verbot von Kinderarbeit. Wir verpflichten unsere Lieferanten entlang unserer Lieferkette, konsequent auf Kinderarbeit zu verzichten. Besonders in unserer Zusammenarbeit mit Lieferanten in Entwicklungs- und Schwellenländern achten wir auf die Einhaltung des Verzichts auf Kinderarbeit, die in diesen Regionen der Welt noch weit verbreitet ist.

Seit vielen Jahren engagiert sich CropScience in Indien mit seinem „Child Care Program“ systematisch gegen Kinderarbeit in der Saatgut-Zulieferkette. Die Felder der Baumwoll-Saatgutproduktion werden mindestens sechs Mal pro Anbausaison von Bayer-Teams besucht, um das Alter der angetroffenen Arbeitskräfte festzustellen. Dafür ist eine eigene Organisationseinheit verantwortlich. Dank dieses strikten Kontrollsystems haben wir nur noch eine sehr geringe Anzahl von Kinderarbeitsfällen bei unseren Kontraktoren feststellen können, die wir intensiv nachverfolgen. Systematisches Feldmonitoring führen wir seit 2009 in Indien auch in der Gemüse-Saatgutproduktion und seit 2010 ebenfalls in unserer Saatgutproduktion für Hybridreis durch.

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Die Tabelle zeigt beispielhaft die Entwicklung in der Baumwoll-Saatgutproduktion seit der Hauptsaison 2009/2010 anhand der Ergebnisse der Feldmonitorings.

Ergebnisse des Feldmonitorings: Produktion Baumwollsaatgut (Indien)[Tabelle 3.8.0-5]
  Anbausaison*
Kharif
2009/
2010
Rabi
2009/
2010
Kharif
2010/
2011
Rabi
2010/
2011
>Kharif
2011/
2012

Rabi
2011/
2012
Kharif
2012/
2013
Rabi
2012/
2013
Kharif****
2013/
2014
Anbaufläche (in Acres**) 1.683 172 2.152 335 2.771 542 3.857 389 3.618
Überprüfte Anbaufläche (in Acres)*** 10.575 1.052 13.856 2.276 17.427 3.564 24.161 2.433 20.991
Einzelheiten zu Arbeitskräften
Gesamtzahl der Überprüfungen 35.826 3.902 43.150 7.198 52.979 12.128 82.192 9.253 60.422
Nachgewiesene Fälle von Kinderarbeit 22 2 14 0 18 0 21 0 18
Überprüfungen ohne Bean-
standungen
35.804 3.900 43.136 7.198 52.961 12.128 82.171 9.253 60.404
Fälle von Kinderarbeit pro überprüftem Acre 0,002 0,002 0,001 0 0,001 0 0,001 0 0,001
Anteil Kinder an der Gesamtzahl der Arbeitskräfte 0,06 % 0,05 % 0,03 % 0 % 0,03 % 0 % 0,03 % 0 % 0,03 %
* Anbauzyklus Kharif: Anbau in der Regenzeit (Sommer) und Ernte im Herbst/Anbauzyklus Rabi: Anbau im Herbst und Ernte im Winter
** 1 Acre = 4.046,86 m²
*** Kumulierte Darstellung der überprüften Anbaufläche auf Basis der durchgeführten Kontrollgänge (mindestens 6 pro Anbausaison)
**** Stand 31.12.2013

Zulieferer, die sich nachweislich an unser Kinderarbeitsverbot halten, bekommen von Bayer einen Bonus und Schulungen zur landwirtschaftlichen Effizienzsteigerung. Im Falle eines Verstoßes erfolgen abgestufte Sanktionsmaßnahmen, die von der schriftlichen Verwarnung bis zur Vertragskündigung im Wiederholungsfall reichen. Einmal jährlich führt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (Indien) unangekündigte Besuche auf Farmen durch, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden. Den Erfolg unseres umfassenden Maßnahmenpakets messen wir mit den beiden in der Tabelle hervorgehobenen Indikatoren.

Wir betrachten die Schulbildung für Kinder als Entwicklungsgrundlage und Instrument, um die Beseitigung von Kinderarbeit voranzutreiben. Daher umfasst unsere „Learning for Life“-Initiative als wichtige Komponente des Kinderschutz-Programms Projekte, die eine umfassende schulische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen fördern. Zwischen 2005 und Ende Juni 2013 konnten mit den unter „Learning for Life“ zusammengefassten Bildungsinitiativen mehr als 5.500 Kinder und Jugendliche erreicht werden.

Das „Child Care Program“ findet in der Öffentlichkeit breite Anerkennung und ist eine Querschnittsaufgabe von Management, den Spezialisten des Child-Care-Teams, den Mitarbeitern der Saatgut-Produktionsteams und der Unternehmenskommunikation, die einen wesentlichen Beitrag zur Schärfung des Problembewusstseins leisten.

Einsatz von Materialien und Rohstoffen

Da sich die Geschäftsaktivitäten der Teilkonzerne und somit auch deren Bedarf an Materialien grundlegend unterscheiden, ist der produktionsspezifische Einkauf dezentral in den jeweiligen Teilkonzernen organisiert. Beim Rohstoffeinkauf erlangen Nachhaltigkeitsaspekte Bedeutung, wie z. B. bei nachwachsenden Rohstoffen und Mineralien aus Konfliktregionen.

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Nachwachsende Rohstoffe spielen im gesamten Rohstoffeinsatz von Bayer bislang noch eine untergeordnete Rolle. Ihre Verwendung steigern wir dort, wo es unter technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll ist.

Bei HealthCare erfolgt die Synthese einiger Hormone über bestimmte Sterine bzw. Phytosterine, die als Nebenprodukt bei der Herstellung von Pflanzenölen aus Soja, Raps oder Sonnenblumen entstehen. Palmöl oder Palmkernöl kommt aufgrund seiner geringen Konzentration an Sterinen nicht zum Einsatz. Außerdem kaufen wir verschiedene Steroide ein, die aus Diosgenin hergestellt werden. Diese Substanz stammt größtenteils aus der Yamswurzel, die u. a. in China angebaut wird. Bei unseren Fermentierungsverfahren nutzen wir darüber hinaus Rohstoffe wie Wasser, Glukose, Hefe, Sojastärke, Kastor-Öl und Maisquellwasser. Für einige Consumer-Care-Produkte kommen Extrakte der „Centella asiatica“ zum Einsatz. Diese Pflanze ist in Asien weit verbreitet und gehört nicht zu den gefährdeten Arten.

MaterialScience testet in Innovations- und Kooperationsprojekten die Substitution erdölbasierter Rohstoffe. So wird u. a. ein biotechnologisches Verfahren erprobt, das auf der Umwandlung von Biomasse durch Mikroorganismen beruht und Material für die Produktion von Kunststoffen liefern kann. Der Einsatz von Kohlendioxid als Rohstoff für Polyurethane wurde bereits erfolgreich im Technikumsmaßstab umgesetzt – auch erste Ergebnisse einer unabhängigen ökologischen Begutachtung geben ein positives Signal.

International werden Unternehmen zunehmend dazu verpflichtet, die Herkunft bestimmter Rohstoffe in ihren Produkten offenzulegen. Dabei handelt es sich z. B. um sogenannte Konfliktmineralien aus der Kongo-Region. Bayer prüft derzeit, ob aus dieser Region über die Lieferkette Mineralien wie Zinn-, Wolfram-, Tantalerze sowie Gold in unsere Produkte gelangt sein könnten. Parallel arbeiten wir an einem speziellen Prozess zur systematischen Überprüfung und Bewertung potenzieller Lieferanten solcher Mineralien.

HealthCare

In einem weltweiten Produktionsnetzwerk aus eigenen Standorten und Lohnherstellern steuert die Organisationseinheit „Product Supply“ von HealthCare die gesamte Versorgungskette: vom Einkauf der Rohstoffe über die Herstellung bis hin zur Auslieferung der Produkte. Für die Herstellung von Arzneimitteln gelten außerordentlich strenge Qualitätsanforderungen. Sie werden unter dem Begriff „Good Manufacturing Practices“ (GMP) zusammengefasst. Ihre Einhaltung wird in regelmäßigen Abständen von internen Fachleuten, aber auch von Aufsichtsbehörden und externen Gutachtern geprüft.

Im Segment Pharma werden die Ausgangsstoffe für die Herstellung der Wirkstoffe für verschreibungspflichtige Arzneimittel in der Regel von externen Lieferanten bezogen. Zur Vermeidung von Lieferengpässen und um größere Preisschwankungen abzumildern, kaufen wir diese Ausgangsstoffe sowie Zwischenprodukte, die wir nicht selbst herstellen, in der Regel auf Basis globaler Verträge und/oder von mehreren durch uns auditierte und genehmigte Lieferanten.

Die Herstellung unserer Wirkstoffe erfolgt vor allem an den Produktionsstandorten Wuppertal und Bergkamen (Deutschland) sowie Berkeley (USA). Die Wirkstoffe werden weltweit zu fertigen Arzneimitteln verarbeitet und verpackt. Dabei decken wir ein breites Spektrum verschiedener Arzneiformen ab: feste Darreichungsformen wie Tabletten, Dragees oder Pulver, halbfeste Salben und Cremes sowie flüssige Arzneimittel, z. B. zur Anwendung in Injektionen oder Infusionen. Die hormonalen Verhütungsmittel werden außer zu Dragees oder Filmtabletten z. B. auch in Intrauterin-Systemen (Spiralen) verarbeitet. Formulierung und Verpackung erfolgen u. a. in Berlin, Leverkusen und Weimar (Deutschland), Garbagnate (Italien), Peking (China), São Paulo (Brasilien) sowie in Turku (Finnland). In Berkeley wird Kogenate™, ein Medikament zur Behandlung der Bluterkrankheit, in einem biotechnologischen Verfahren produziert. Arzneimittel, die wir aufgrund der Verwendung spezieller Technologien nicht selbst produzieren, beziehen wir in der Regel auf Basis globaler Verträge von durch uns auditierte und genehmigte Hersteller. So wird z. B. Betaferon™/Betaseron™ zur Therapie der Multiplen Sklerose von einem Lohnhersteller produziert.

Für die Division Consumer Care des Segments Consumer Health stellen wir bestimmte Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure und Clotrimazol in La Felguera (Spanien) her. Die wichtigsten extern zugekauften Rohstoffe sind Naproxen, Zitronensäure, Ascorbinsäure und weitere Vitamine sowie Paracetamol. Zur Minimierung von geschäftlichen Risiken diversifizieren wir unsere Rohstoff-Bezugsquellen weltweit und schließen langfristige Lieferverträge ab. Produktionsstätten der Division befinden sich u. a. in Myerstown (USA), Cimanggis (Indonesien), Lerma (Mexiko), Bitterfeld-Wolfen und Grenzach-Wyhlen (Deutschland), Madrid (Spanien) sowie Segrate (Italien).

Die Diabetes-Care-Produkte (z. B. Blutzucker-Messgeräte) unserer Division Medical Care werden hauptsächlich von „Original-Equipment-Manufacturing“(OEM)-Lieferanten gefertigt. Preise und Verfügbarkeiten der Materialien sind überwiegend durch langfristige Verträge abgesichert. Um unsere Kunden kon­stant und zuverlässig beliefern zu können, halten wir strategische Reserven bestimmter Materialien und Fertigerzeugnisse vor. Die Kontrastmittel für diagnostische Bildgebungsverfahren werden vor allem in Berlin (Deutschland) hergestellt. Medizinische Geräte wie Kontrastmittelinjektoren und mechanische Systeme zur Behandlung verengter oder blockierter Blutgefäße werden an Standorten nahe Pittsburgh sowie in Minneapolis (beide USA) produziert. Die meisten der zur Herstellung von Medizingeräten benötigten Materialien und Komponenten werden von externen Lieferanten bezogen. Verfügbarkeit, Qualität sowie Preisstabilität der Materialien werden durch langfristige Verträge, sorgfältige Auswahl der Lieferanten sowie ein aktives Lieferantenmanagement sichergestellt.

Die Division Animal Health bezieht die pharmazeutischen Wirkstoffe für ihre Tierarzneimittel sowohl konzernintern als auch weltweit von externen Lieferanten. Die Herstellung unserer weltweit vermarkteten Produkte aus dem Bereich Tiergesundheit erfolgt hauptsächlich an den Standorten Kiel (Deutschland) und Shawnee (USA).

CropScience


CropScience steuert die Bereiche Einkauf und Produktion ebenfalls in einer Organisationseinheit. Dies ermöglicht eine integrierte Lieferkette vom Rohstoffeinkauf über die Produktion von Fertigerzeugnissen bis zum Warenlager und anschließend die Vermarktung über ein zwei- oder dreistufiges Vertriebssystem, entsprechend den lokalen Marktbedingungen.

Unsere wichtigsten Beschaffungsländer, und somit der Großteil unseres Einkaufsvolumens, werden zentral gesteuert. So können wir gezielt auf die Beschaffungsmärkte eingehen und unsere Kostenposition optimieren. Zur Minimierung von einkaufsbezogenen Risiken wie Lieferengpässen oder größeren Preisschwankungen erfolgt darüber hinaus die Versorgung mit bedeutenden Einsatzstoffen vorrangig über langfristige Lieferverträge. Durch regelmäßige Überprüfung der Nachhaltigkeit und Qualität unserer Lieferanten können wir zudem sicherstellen, dass interne und externe Standards eingehalten werden.

Die Produkte der Bereiche Crop Protection und Environmental Science werden überwiegend an eigenen Produktions- und Formulierungsstandorten hergestellt. Zu den größten Standorten gehören Dormagen, Knapsack und Frankfurt a. M. (Deutschland), Kansas City (USA) sowie Vapi (Indien). Zahlreiche dezentrale Formulier- und Abfüllstandorte ermöglichen ein schnelles Reagieren auf die Bedürfnisse der lokalen Märkte. Dort werden die Wirkstoffe entsprechend den lokalen Anforderungen und den Anwendungsgebieten zu Herbiziden, Fungiziden, Insektiziden, Saatgutbehandlungsmitteln und Environmental-Science-Produkten weiterverarbeitet, konfektioniert und verpackt.

Die Saatgutproduktion des Bereichs Seeds erfolgt kundennah in Europa, Asien, Nord- und Südamerika und wird entweder in eigenen landwirtschaftlichen Betrieben oder über Vertragsanbau ausgeführt.

Wir investieren fortlaufend in unser globales Produktionsnetzwerk, um Kapazitäten für neue Produkte und Technologien sowie verbesserte Herstellungsprozesse zu schaffen. Um der fortwährend steigenden Nachfrage am Markt auf wettbewerbsfähige und zeitnahe Weise gerecht zu werden, planen wir unsere Investitionen in Sachanlagen deutlich zu steigern. Im September 2013 haben wir entsprechend die Erhöhung des geplanten Investitionsvolumens angekündigt und wollen zwischen 2013 und 2016 rund 2,4 Mrd € in Sachanlagen investieren.

MaterialScience

Der Einkauf von MaterialScience wird global durch die Organisationseinheit „Procurement & Trading“ gesteuert. Zur Nutzung von Synergien innerhalb von MaterialScience werden die weltweiten Procurement- und Trading-Prozesse zentral koordiniert und verwaltet.

Wesentliche Grundrohstoffe unserer MaterialScience-Produkte sind petrochemische Rohstoffe wie beispielsweise Benzol, Toluol und Phenol. Diese erwerben wir auf den Beschaffungsmärkten überwiegend im Rahmen von Lieferverträgen. Der Betrieb unserer Produktionsanlagen benötigt darüber hinaus in größerem Umfang Energie, vorrangig in Form von Strom und Dampf. Um das Preisänderungsrisiko zu minimieren, setzen wir bei der Strom- und Dampferzeugung auf eine ausbalancierte Diversifikation der Brennstoffe sowie auf einen Mix von externem Einkauf und Eigenerzeugung.

Zu den wesentlichen Produktionsstandorten von MaterialScience zählen: Dormagen, Krefeld und Leverkusen (Deutschland) sowie Shanghai (China) und Baytown (USA). Diese sind für alle Business Units von MaterialScience tätig und werden zentral durch den Bereich Industrial Operations gesteuert. Weitere bedeutende Produktionsstandorte befinden sich in Antwerpen (Belgien), Brunsbüttel (Deutschland), Map Ta Phut (Thailand) sowie in Tarragona (Spanien) und werden durch die jeweilige Business Unit geführt.

Im Bereich der Commodities (Standard-Produkte mit großem Absatzvolumen) setzen wir zur Kostensenkung auf Produktionsanlagen mit einer großen Fertigungskapazität, die eine länderübergreifende Marktversorgung ermöglichen. Im Rahmen unserer differenzierten Geschäfte betreiben wir in ausgewählten Ländern eine größere Anzahl von Produktionsanlagen. In diesen Anlagen erfolgt die Abmischung und Bereitstellung von kundenindividuellen Polyurethan-Systemen („Systemhäuser“), die kundennahe Compoundierung von Polycarbonat-Granulaten und die Herstellung von Halbzeugen (Polycarbonat-Platten). Darüber hinaus gibt es regionale Produktionsstätten für funktionale Folien aus Polycarbonat und thermoplastischen Polyurethanen.

Letzte Änderung: 25. Juli 2014  Copyright © Bayer AG
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